Offener Brief an den Bundesrat: Studierende in Not erfordern rasches Handeln

Sehr geehrter Herr Bundespräsident
Sehr geehrte Mitglieder des Bundesrats

Der Bundesrat und die Behörden leisten ein grosses Engagement, um die anhaltende Krise zu bewältigen. Dafür danken wir Ihnen. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir mit diesem Brief Ihre Arbeit nicht kritisieren, sondern unser dringendes Anliegen für die Studierenden und damit die Zukunft der Schweiz übermitteln möchten.

Die Corona-Krise hat weitreichende Auswirkungen auf die finanzielle Lage von Studierenden:

  • Von den fast 300’000 Studierenden arbeitet ein Grossteil in denen vom Lockdown stark betroffenen Branchen wie Gastronomie, Kultur und Tourismus. Viele haben ihr dringend benötigtes Einkommen aufgrund der Corona-Krise verloren. Zudem kämpfen auch die Erziehungsberechtigten mit Lohneinbussen, wodurch die Studierenden wiederum weniger finanzielle Unterstützung der Familie erhalten können.
  • Bereits vor der Corona-Krise gab es Lücken in der direkten Bildungsfinanzierung, wodurch jährlich über 10‘000 Personen eine angestrebte Aus- oder Weiterbildung verwehrt blieb. Mit der Corona-Krise vervielfacht sich dies akut und nimmt weiter stark zu.
  • Die bereits Benachteiligten trifft es am stärksten, da Ersparnisse kaum vorhanden sind und grundsätzlich wenig Unterstützung durch die Familie möglich ist. Dies führt zu verstärkter sozialer Ungleichheit und birgt die direkte Gefahr von Studienabbrüchen. Dies wiederum wird die Sozialversicherungen sehr belasten, denn ohne Ausbildung ist die Aussicht auf eine Arbeit enorm schwierig.
  • Verschiedene Hochschulen und Stiftungen haben seit Beginn der Pandemie zinslose Notfall-Darlehen und teils finanzielle Nothilfen à fond perdu gesprochen. Diese Angebote reichen jedoch nicht und fallen lokal sehr unterschiedlich aus. Es fehlt ein koordiniertes bundesweites Angebot für alle. Dabei wäre eine Investition in die Ausbildung die beste Möglichkeit, die Krise zu meistern und auch in Zukunft Fachkräfte für die Schweizer Wirtschaft zu garantieren.

Wir erwarten von Ihnen, geschätzter Bundesrat, im Interesse der Studierenden gemeinsam mit uns die nötigen Massnahmen zu treffen. Studienabbrüche und dadurch schwerwiegende wirtschaftlich und sozial langfristige Folgen sind unbedingt zu verhindern. Die Unterzeichnenden sind überzeugt, dass eine breit abgestützte bundesweite Regelung, rasch grosse Wirkung zeigen würde und sind bereit, Sie darin ganz konkret zu unterstützen.

Unser Vorschlag:

  • Bereitstellung eines bundesweiten Nothilfefonds für Studierende.
  • Vergabe von 5’000 CHF pro betroffene Person als Stipendium nach klaren, einfachen Kriterien (Immatrikulation, Erklärung der Not, Zusammenhang zur Covid-19 Pandemie, kurzes Budget der nächsten 12 Monate).
  • Über den Grundbedarf hinausgehende Bildungsdarlehen von der Privatwirtschaft oder Privatpersonen.
  • Organisation und Durchführung durch Bund, Stipendienstellen oder eine nicht gewinnorientierte Organisation.

Sämtliche unterzeichnenden Organisationen stehen für eine Zusammenarbeit mit Ihnen, mit dem Eidgenössischen Departement für Bildung und insbesondere mit den Betroffenen zur Verfügung. Wir setzen alles daran, Studienabbrüche zu verhindern und faire Chancen für alle zu schaffen. Gemeinsam schützen und stärken wir die Zukunft der Schweiz!

Wir danken Ihnen für die Berücksichtigung unseres Anliegens und stehen für Austausch und Fragen jederzeit gerne zur Verfügung. Für Ihre kommenden Aufgaben wünschen wir Ihnen weiterhin viel Kraft und Erfolg.

Hochachtungsvoll,

Über FH SCHWEIZ:
FH SCHWEIZ ist der nationale Dachverband von Absolventinnen und Absolventen aller Fachbereiche von Fachhochschulen.

Über den VSS:
Der VSS ist der nationale Dachverband der Studierendenschaften der Schweiz.

Über EDUCA SWISS:
EDUCA SWISS ist die Schweizerische Stiftung für Bildungsförderung und -finanzierung. Sie unterstützt motivierte Menschen bei der Umsetzung ihres Bildungsvorhabens, dies zum einen durch kostenlose Begleitung bei der Planung und der Budgetierung ihrer berufsbezogenen Aus- oder Weiterbildung, zum andern durch Vermittlung von zinsgünstigen Bildungsdarlehen. EDUCA SWISS vergibt seit dem 1. Lockdown schweizweit Nothilfe.

Kontakt:  Simon Merki, +41 79 815 28 20, simon.merki@educaswiss.ch
EDUCA SWISS, Hirschengraben 20, 8006 Zürich


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